Einen Rollator kaufen

Wenn die Gehbeschwerden immer größer werden, und nicht nur die Füße, sondern auch Gelenke und Muskeln schon nach kurzer Zeit schmerzen, sollte man über eine Gehhilfe nachdenken. Neben dem Gehstock bei leichten Unsicherheiten ist ein Rollator heute die beste Möglichkeit, trotz vieler Beschwerden immer noch mobil zu bleiben.

Allerdings sollte gerade beim ersten Rollator sehr sorgfältig ausgewählt werden. Denn viele mobile Gehhilfen sind inzwischen wahre Spezialisten geworden und nicht mehr überall gleich gut zu benutzen.

Den ersten Rollator kaufen

Wichtig ist natürlich zuerst einmal, daß Sie schon wissen sollten, WO Sie ihren Rollator überwiegend benutzen möchten. Denn ein Rollator für die Wohnung hat zum Beispiel ganz andere Eigenschaften als einer, der überwiegend zum Einkaufen benutzt werden soll. Auch wenn er oft im Auto mitgenommen wird, sollte er speziell dafür geeignet sein. Einen Rollator für alle Fälle kann es deswegen nicht geben: Auch die modernen Allrounder sind nicht überall bedenkenlos zu gebrauchen. Schon alleine die Räder sind sehr spezifisch: Groß für draußen, damit er besser über Hindernisse hinwegrollen kann, klein für drinnen, damit er leichter zu lenken und zu rangieren ist.

Aus diesem Grund schaffen sich viele gehbehinderte Menschen auch einen Zweitrollator an. Das muß aber beim ersten Mal nicht unbedingt sein, denn hauptsächlich die Allrounder sind in der Lage, innerhalb wie außerhalb der Wohnung zu funktionieren. Aber eben nicht perfekt.

Gewicht und Größe der Rollatoren

Wie Sie sicher bemerkt haben, legt die Werbung für einen Rollator immer sehr großen Wert auf die Angabe des Gewichtes. Leicht, leichter, am leichtesten – so sollte der Rollator sein.

Das ist auch erst einmal richtig, hat aber nicht in allen Fällen Vorteile. In der Wohnung muß die Gehhilfe schon leicht sein, denn viel Hebelwirkung kann man da kaum anbringen, um ihn in die richtige Richtung zu zwängen. Deshalb wiegen Wohnungsrollatoren selten mehr als 7 kg. Ebenso ist es bei den Rollatoren, die oft im Auto mitgenommen werden: Auch für das Verpacken in den Kofferraum ist ein geringes Gewicht von Vorteil. Da diese Gehhilfen dazu noch sehr schmal sein sollten, wird ebenfalls weniger Material verarbeitet, was ein geringes Gewicht begünstigt.

Ebenfalls gut ist ein leichter Rollator, der jeden Tag eine Treppe getragen werden muß. In diesem Fall, genau wie beim Transport im Auto oder auf Reisen, sollte der Rollator auf jeden Fall auch faltbar sein.

Diese leichten Rollatoren werden deshalb überwiegend aus Aluminium hergestellt und lassen sich deutlich besser und einfacher handhaben als der Standardrollator aus früheren Tagen, der schon einmal das Gewicht von 12 kg überschreiten konnte. Leichtes Zubehör wie Sitz und Einkaufstasche sind noch einmal eine Möglichkeit, Gewicht zu sparen, und werden auch dafür genutzt.

Ein anderer Fall ist der Rollator, der überwiegend außerhalb der Wohnung genutzt wird. Ob zum Einkaufen oder zum Wandern: Hier kommt es in erster Linie nicht auf das Gewicht an, sondern auf die Tragfähigkeit und Stabilität. Gerade voll beladen werden die leichten Rollatoren manchmal ziemlich „weich“, wenn sie über Hindernisse rollen. Das kann Unsicherheit beim Benutzer auslösen und auch die Gehhilfe überlasten.

Auf die Breite kommt es beim Outdoor Rollator ebenfalls nicht in erster Linie an: Ein schmaler Rollator für die Wohnung würde auf unebenem Gelände sehr wackelig sein, hier ist mehr Breite und ein stabileres Chassis auf alle Fälle von Vorteil, auch wenn der Rollator dadurch schwerer wird.

Die Größe ist nicht bei allen mobilen Gehhilfen gleich. Viele Hersteller bieten schon ab Werk ihre Modelle in unterschiedlichen Größen an, so können Sie schon vor dem Kauf entscheiden, welcher zu Ihrer Größe paßt. Fast alle Rollatoren lassen sich zwar in der Höhe verstellen mit ihrer Griffstangen, aber manchmal reicht das bei besonders großen Menschen trotzdem noch nicht aus. Außerdem werden einige Modelle, hauptsächlich die sehr preisgünstigen, mit voll nach oben eingestellten Handgriffen instabil durch die nun größere Hebelwirkung auf das extrem dünne und leichte Material. Als fast 2 Meter Mensch weiß ich, wovon ich rede.

Zusätzlich sollten Sie beim Kauf eines Rollators auch auf die Belastungsgrenze achten. Sehr viele Gehhilfen sind nur bis maximal 100 Kilo zugelassen, gehbehinderte Senioren, die sich in der Regel aus verschiedenen Gründen nicht mehr viel bewegen können, werden aber oft diese Grenze selbst schon erreichen. Wenn jetzt noch allerlei schwerer Einkauf transportiert werden soll, kann der Rollator schnell an seine Grenzen kommen.

Handhabung und Praxis

Rollatoren sind zum Teil sehr unterschiedlich ausgestattet, das sollte schon beim Kauf berücksichtigt werden. Wie schon erwähnt, lassen sich viele Modelle zusammenklappen und bei Nichtgebrauch platzsparend verstauen. Auch im Kofferraum können Sie meistens überhaupt erst mitgenommen werden, wenn sie auf ein kleineres Maß zusammengefaltet werden.

Nun gibt es aber verschiedene Faltmöglichkeiten. Während die ersten faltbaren Rollatoren quer zusammengeklappt wurden, geschieht das bei den neuesten Modellen in Längsrichtung. Das hat einige Vorteile:

  • das Faltmaß ist wesentlich geringer als bei einem Querfalter
  • die Mechanik ist einfacher zu bedienen
  • oft lassen sich Längstfalter nur mit einer einzigen Hand zusammen klappen
  • durch den aufwändigen Klappmechanismus sind moderne Längstfalter meistens leichter
  • der längst gefaltete Rollator bleibt auch zusammengeklappt einfacher stehen und verfügt meistens über eine ganz einfach zu bedienende Funktion, die keine Gefahr für eingeklemmte Finger mehr ist

Daß die Bremsen bei einem Rollator natürlich fest zupacken müssen und auch über eine „Handbremse“ verfügen sollten, muß wohl kaum erwähnt werden. Ähnlich wie beim Auto ist die Bremse ein sicherheitsrelevantes Teil, wenn hier etwas nicht stimmt, können böse Folgen entstehen. Zum Setzen müssen Sie die Feststellbremse auf jeden Fall betätigen, wenn er dann aber wegen schlechter Bremsleistung immer noch beweglich ist, kann ein Sturz oft nicht mehr verhindert werden.

Auch das Profil an den Rädern sollte Ihre Beachtung verdienen. Außen wie innen ist ein gutes Profil vorteilhaft gegen Wegrutschen, auf glattem Parkettboden würde ich mit noch glatteren Kunststoffräder nicht rollen wollen. Ebenso auf dem Weg zum Supermarkt, wenn es geregnet hat und viel feuchtes Laub auf den Wegen liegt: Wie beim Auto auch haben Sie hier mit einem guten Profil bessere Chancen, ihren Rollator sicher zu führen. An gute Schuhe mit ordentlichem Profil haben Sie doch hoffentlich auch gedacht?

Rollator wo kaufen

Wer sich das erste Mal eine Gehhilfe wie den Rollator zulegt, der sollte in einem Sanitätshaus einmal die verschiedenen Modelle ansehen. Vor allem, wenn man selbst keinen erfahrenen Berater dabei hat, ist dieser Weg besser, als sich die erstbeste Gehhilfe im Internet zu kaufen, weil sie dort preisgünstiger ist.

Im Sanitätshaus werden Sie in der Regel ausführlich beraten, was die richtige Auswahl ihres Rollators betrifft. Auch die ersten Übungen im Umgang mit der neuen Gehhilfe können Sie dort an verschiedenen Modellen testen: Das sollte auch auf jeden Fall sein, wenn Sie vorher noch nie mit dem Gedanken an einen Rollator gespielt haben. Denn bei diesen ganzen unterschiedlichen Modellen fällt es einem Menschen sehr schwer, genau den richtigen Rollator zu finden, der zu seinen Bedürfnissen paßt.

Im Internet gibt es die meisten Modelle günstiger, das stimmt schon. Aber wegen der fehlenden Beratung kommt es gerade beim ersten Rollator viel zu Fehlkäufen, letztendlich muß die Gehhilfe wieder zurückgeschickt werden, weil der Anwender damit überhaupt nicht zurechtkommt. Wenn Sie schon eine gewisse Erfahrung im Umgang mit Rollatoren haben, ist natürlich nichts dagegen einzuwenden, wenn Sie online einen Rollator kaufen und dabei Geld sparen. Als „Anfänger“ brauchen Sie aber eine Beratung, und dabei hilft Ihnen Ihr Sanitätshaus oder auch einige Seiten im Internet (wie diese hier) weiter.

Rollator Zubehör

Die meisten der käuflichen Rollatoren sind von Hause aus schon mit dem benötigtem Zubehör ausgerüstet. Die Lösung der verschiedenen Aufgaben ist aber ebenso unterschiedlich wie der Rollator selbst:

  • es gibt Sitze, die stabil und gepolstert sind, oder aber nur über eine einfache Stoffbahn verfügen
  • gleiches gilt für die Rückenlehre
  • manche Rollatoren sind weder mit Sitz noch mit Rückenlehne ausgerüstet. Diese sind extra leicht und besonders in der Wohnung oder auf Reisen geeignet
  • für den „Kofferraum“ gilt das ebenfalls: Netze sind am leichtesten, Taschen sehr praktisch und in den Korb kann man schnell etwas legen, ohne erst eine Tasche aufmachen zu müssen.
  • eine Halterung für den Gehstock kann praktisch sein, wenn Sie ihn zusätzlich mitführen möchten, ein Getränkehalter ist eher schon wieder Luxus
  • einige Extras werden ebenfalls als Zubehör angeboten, sind manchmal aber schon in der Grundausstattung vorhanden: dazu gehören Reflektoren oder sogar elektrisches Licht und eine Klingel. Nach dem Motto: „Sehen, und gesehen werden“. Und wenn nicht, dann wenigstens „gehört“ werden.

Sicherheit am Rollator

Reflektoren und Klingel gehören ebenso wie die Bremse und die Räder schon zur Sicherheitsausstattung Ihrer Gehhilfe. Ich würde auf keinen Fall darauf verzichten, auf jeden Fall nicht, wenn ich den Rollator auch außerhalb der Wohnung nutzen würde. Daneben sollten Sie bei Kauf eines Rollators darauf achten, daß ein TÜV-Siegel und idealerweise auch ein GM-Zeichen für „freiwillig geprüfte Medizinprodukte“ vorhanden ist.

Damit sind Sie auf jeden Fall sicherer unterwegs als mit einer Gehhilfe, die aus unbekannter Quelle stammt, nicht getestet und geprüft wurde und nur über den kleinen Preis zum Anwender gelangt. Damit können Sie auch Glück haben und einen guten Rollator erwerben – meistens wird es aber nicht der Fall sein.