Der Rollator

Vielen älteren Menschen fällt das Gehen von Tag zu Tag schwerer und wird allmählich zur Last. Das kann sogar so weit führen, daß sie die Wohnung gar nicht mehr verlassen, aus Angst zu stolpern oder zu stürzen und sich von den Schmerzen nicht mehr zu erholen. Manch einer hat auch vielleicht schon diese Erfahrung gemacht – Grund genug, nicht mehr aus dem Haus zu gehen.

Für einige Dinge kann man sich Unterstützung holen, zum Beispiel eine Begleitung aus der engeren Familie. Aber schnell kann das Gefühl aufkommen, anderen zur Last zu werden. Vor allem, wenn man Sachen machen möchte zur Freude: einen Spaziergang im Park, ein Schaufensterbummel oder eine Ausstellung in einem Museum, die gerade viel beworben wird. Dinge, die man immer schon gemacht hat, oft ganz spontan. Freunde besuchen: Wann ist das zum letztem Mal vorgekommen?

Das schlimme an diesem schleichendem Prozeß ist, das es sich auch in der eigenen Wohnung fortsetzt. Wer immer so zurückgezogen lebt und kaum noch das Haus verläßt, dem wird es eines Tages auch zu viel, wenn er selbst Besuch bekommmt. Die sozialen Kontakte brechen Stück für Stück weg, und die Einsamkeit ist anfangs vielleicht noch ganz willkommen, macht aber auf Dauer bei vielen Menschewn depressiv.

Der Rollator – neue Mobilität und Lebensqualität

Die große Zahl alternder Menschen hat es mit sich gebracht, daß Sie nicht mehr alleine mit diesen Problemen sind. Und es gibt heute viele Möglichkeiten, die verloren geglaubte Mobilität wieder zu gewinnen und am gesellschaftlichem Leben teilzuhaben. Anders als früher – das ist schon klar. Aber nicht viel anders als vergleichbare Personen in Ihrem Alter, denen es letztendlich auch nicht viel anders geht.

Gehhilfe aus Alu von Weinberger

leichter Alu Rollator von Weinberger
Foto: Weinberger/Amazon

Man trifft sie auch immer mehr auf den Straßen: Menschen, die mit einer Gehhilfe unterwegs sind. Manchmal ist es ein Gehstock, der eine Sicherheit und Unterstützung beim gehen ist, viel öfter aber ein Rollator. Denn diese noch nicht einmal alte Erfindung bietet Ihnen jede Menge Unterstützung bei der Bewältigung Ihres Alltags.

Warum hat aber nicht schon die Generation vor uns auf diese Gehhilfe gesetzt? Aus dem einfachen Grund: Der Rollator, so wie er derzeit bekannt und beliebt ist, wurde erst sehr spät erfunden und in Deutschland anfang 1990 bekannt. Wie bei allem neuem, mußte er erst einmal um seine Akzeptanz kämpfen: Den ersten Benutzern war es noch peinlich, mit dieser Gehhilfe auf der Straße gesehen zu werden.

Doch der Vorteil des Rollators war so riesengroß, daß es immer mehr gehbehinderte Menschen waren, die sich trauten, und bald war er gar kein so außergewöhnlicher Exot mehr. In kürzester Zeit hat er die ganze Welt erobert, heute gibt es kaum noch ein Land, in dem der Rollator als optimales Hilfsmittel nicht bekannt ist. Die wundersame Entwicklung des Rollators ist schon oft beschrieben worden, eine Zusammenfassung steht wie so oft bei Wikipedia .

Heute wird diese Gehhilfe nicht nur von immer mehr älteren Menschen benutzt, auch die Medizin hat sich diese Erfindung zu eigen gemacht und benutzt diese zur Rehabilitation bei schwer erkrankten Menschen. Sie ist ein ganz selbstverständliches Hilfsmittel geworden und aus dem Alltag unseres Lebens nicht mehr wegzudenken.

Unterschiede moderner Rollatoren

Wer sich die heute angebotenen Gehhilfen einmal anschaut, wird feststellen, daß es ganz unterschiedliche Ausführungen gibt. Zum einen gibt es den Rollator in seiner Urgestalt, der unwesentlich verändert auch heute noch hergestellt wird und gute Dienste tut. Andererseits hat sich die Funktion des Rollators seit 2002 drastisch verändert: Die neue Generation von Rollatoren ist wesentlich leichter geworden, besitzt gut funktionierende Sicherheitssysteme, gut durchdachte Zusatzfunktionen wie einen Sitz oder Einkaufskorb und sie sind auch vom Design her sehr modern geworden. Allerdings auch teurer: Die ständige Weiterentwicklung von Material, das Testen verschiedener Funktionen und auch die Konstruktionen selbst kosten Geld, und das wird natürlich an den Anwender weiter gegeben.

Der klassische Rollator

Die ersten Rollatoren waren noch relativ schwer, weil aus ganz normalem Stahl gefertigt, sie waren umständlich zu bedienen und noch nicht einmal zum zusammenklappen. Mit dieser Gehhilfe konnte man sich zwar auf einer geraden Straße einigermaßen bewegen – mehr aber auch nicht. Zum Tragen war er zu schwer, in den Kofferraum hat er meistens nicht gepaßt, und in der Wohnung war er wegen seiner Größe und Störrigkeit kaum einzusetzen.

Auch die ersten faltbarer Rollatoren waren nicht wesentlich besser: Diese als „Querfalter“ bezeichnmeten Gehhilfen wurde, wie der Name schon sagt, quer zur Fahrtrichtung zusammen geklappt. Dadurch konnten sie kaum selbstständig stehen bleiben, der Klappmechanismus war fummelig und unsicher, schnell konnte man sich die Finger klemmen. Aber er konnte preisgünstig hergestellt und verkauft werden, deshalb sind auch heute noch einige dieser Rollatoren aus der ersten Generatiuon auf dem Markt. Da sie im unteren Preissegment angesiedelt sind, werden sie auch oft von den Krankenkassen auf Rezept bezahlt oder als gebrauchte Geräte leihweise zur Verfügung gestellt, falls eine Gehhilfe nur vorübergehend benötigt wird. Diese auch als „Kassengestell“ bezeichneten Gehhilfen sind heute nicht mehr auf den neuesten Stand der Technik, aber preislich immer noch als Alternative zu den neuesten Rollatoren erhältlich.

Der moderne Rollator

Die neuen Rollatoren werden in Leichtbauweise hergestellt. Überwiegend besteht das Gestell jetzt aus Aluminium, beim Alu – Rollator ist das Gewicht drastisch reduziert worden. Allerdings wird bei einigen der neuesten Gehhilfen auch wieder Stahl verwendet: Aber als hochfestes Material, daß so dünnwandig ausgeführt werden kann, daß es nicht schwerer als Aluminium ist. Allerdings auch zu einem ziemlich hohem Preis. Andere Rollatoren haben sogar ein Chassis aus Carbon – extra leicht und sehr verwindungsarm. Aber auch sehr teuer.

Durch dieses leichte Gewicht sind die Gehhilfen außerordentlich handlicher und beweglicher geworden, trotzdem können Sie immerhin noch so weit belastet werden, daß sich ein Mensch auch zum Ausruhen auf den Sitz setzen kann. Auch das Zusammenklappen wurde wesentlich verändert: Der moderne Rollator ist ein Längstfalter, weil er sich ganz einfach längs zur Fahrtrichtung zusammenklappen läßt. Und das oft nur mit einem einzigen Handgriff: Bequemer geht es nicht. Dann ist er in der Regel so klein, daß er in den Kofferraum von fast jedem Pkw paßt, ohne ihn auszufüllen. Und auch der Transport ist wesentlich vereinfacht durch sein geringes Gewicht.

Allerdings hat dieser Fortschritt auch seinen Preis: Moderne Leichtgewicht Rollatoren sind wesentlich teurer als die herkömmlichen einfachen und schweren Gehhilfen. Deshalb werden die Kosten von den Krankenkassen auch oft nicht in voller Höhe übernommen, hier ist eine Zuzahlung aus eigener Tasche nötig.

Sicherheit und wichtiges Zubehör

Der Rollator wird natürlich auch im öffentlichem Straßenverkehr eingesetzt. Wenn er auch meistens auf Gehwegen unterwegs ist: Er muß den gesetzlichen Vorgaben entsprechend und darf nicht zur Gefahr für den Benutzer oder andere werden. Denn gerade wer mit schweren Gehbehinderungen unterwegs ist, muß sich voll und ganz auf seine Gehhilfe verlassen können. Das wird zwar bei neuen Geräten meistens der Fall sein, aber gerade beim Kauf eines älteren Rollators müssen Sie auf die Sicherheit achten.

Wichtig für ein sicheres Handling ist erst einmal, daß der Rollator TÜV- geprüft ist und – idealerweise – auch das GM-Zeichen für „freiwillig geprüfte Medizinprodukte“ hat. Ist soweit alles in Ordnung, müssen Sie auf sicherheitsrelevante Teile wie Bereifung und Stellung der Räder, die Bremsen und auch die Faltsicherung achten. Hier gibt es bei gebrauchten Rollatoren den meisten Verschleiß – er ist aber optisch oder durch ein probeweises zusammenfalten festzustellen.

Wenn Sie den Rollator nicht nur in der Wohnung, sondern auch viel außerhalb nutzen, ist natürlich auch das angebaute Zubehör wichtig. Ist ein Sitz vorhanden, passen Sie da drauf (manche Rollatorsitze sind wirklich sehr schmal!), gibt es eine Tasche oder einen Einkaufskorb, eine Halterung für den Gehstock und hat der Rollator frunktionierende Reflektoren? Erst wenn alles vorhanden ist, was Sie bei Ihrem täglichem Gebrauch benötigen, ist der Rollator für Ihre Bedürfnisse voll alltagstauglich.

Der moderne Rollator ist heute mehr als nur eine Gehhilfe

Die Gehhilfen bieten dank einer klug gewählten Ausstattung in vielen Bereichen ihre Hilfe an. Allein schon das Gehen entlastet die Füße, das Becken und die Hüfte, denn im Gegensatz zu einem Gehstock können Sie sich hier mit beiden Armen gleichzeitg abstützen.

Und wenn die Wege etwas weiter sind, und Sie merken, daß Ihre Kondition doch nicht ausreicht, um ohne Unterbrechung zum Ziel zu kommen, dann können Sie eine Pause machen und sich setzen. Unabhängig, ob gerade eine Sitzgelegenheit zur Stelle ist: Der eingebaute Rollatorsitz ist ja immer mit dabei. Nur sollten Sie nicht vergessen, unbedingt vorher die Feststellbremse zu betätigen.

Auch das Tragen von Einkaufstaschen, das gerade Menschen mit Gehbehinderung fast unmöglich geworden ist, nimmt Ihnen Ihr Rollator ab. Ob Einkaufstasche oder Drahtkorb: Hier können Sie Ihren kleinen Einkauf ganz einfach verstauen. Aber bitte nicht die Handtasche mit Geld und Ausweisen: Die ist sonst schneller geklaut als Sie denken können.

Für Freunde, die in Ihrem Leben gerne spazieren gehen oder Wandern, und sich das jetzt eben wegen der Beschwerden beim Gehen nicht mehr zutrauen, gibt es auch eine Lösung: Einige Modelle der Outdoor Rollatoren sind genau deswegen hergestellt worden: Durch ihre Räder versprechen sie eine besonders gute Geländegängigkeit, vor allem auch abseits der Straßen und Gehwege.

Mit dem Wander Rollator über Wald und Wiese

Diese Gehhilfen sind besonders stabil und fallen zuerst wegen ihrer doch ziemlich großen Räder auf. Die braucht man aber auch beim Bewegen abseits von glatten Straßen: Damit kann der Rollator auf unebenen Wald- und Feldwegen, auf Kopfsteinpflaster sogar über „Stock und Stein“, wie man sagt, bewegt werden.

Oft stehen die Räder bei diesen Outdoor Rollatoren hinten etwas weiter nach außen, das sorgt noch einmal für eine ausgesprochen gute Stabilität und einen guten Geradeauslauf. Die Reifen sind teilweise mit Luft gefüllt, manche Gehhilfen haben sogar eine kleine Federung an den Rädern. Und natürlich besitzen die Räder auch ein grobstolliges Profil, das sorgt für gute Bodenhaftung und ein entspanntes, sicheres Fahrgefühl.

Solch ein gut ausgerüsteter Wanderrollator läßt sich auch noch gut für all die anderen Dinge des täglichen Lebens nutzen, denn er besitzt im allgemeinen eine Vollausstattung mit Einkaufstasche, Sitz, Reflektoren und noch mehr. In der Wohnung werden Sie damit allerdings nicht zurecht kommen: Dafür ist er zu breit und zu schwer, zu unhandlich wegen der großen Räder, und auch nicht dafür gemacht.

Indoor Rollator – der Rollator für die Wohnung

Ein Rollator für die Wohnung ist nämlich ganz anders aufgebaut. Die meisten Allrounder können natürlich auch in Innenräumen eingesetzt werden, außer ein spezieller Wanderrollator. Aber das Bewegen in engen Zimmern ist doch immer wieder eine Herausforderung: nicht nur die Türen. Die sind normalerweise breit genug, daß da jeder Rollator durchkommt. Nur in den Gängen zwischen den Möbeln, beim Abbiegen im Flur in ein anderes Zimmer, die Küche oder das Bad, das können spezielle Rollatoren für die Wohnung besser und leichter.

Ein Indoor Rollator speziell für zu Hause ist ganz anders aufgebaut als üblich. Er sollte so leicht wie möglich sein, deshalb besteht er überwiegend aus Alu oder viel Kunststoff: Auch Holz ist eine Möglichkeit, das Gewicht gering zu halten. Allerdings gibt es dafür nicht viele Anbieter: Der bekannteste stellt Ihnen sogar Ihren Rollator nach Wunsch zusammen.

Ferner muß er möglichst schmal sein, damit er wirklich um jede Ecke kommt und auch auf kleinstem Platz rangiert werden kann. Deshalb sind auch die Räder wichtig: Sie müssen in der Wohnung kaum einmal ein Hindernis überwinden, aber auf der Stelle drehen können. Deshalb sind sie möglichst klein – große Räder sperren sich mehr dagegen.

Der Reise Rollator

Ähnlich wie beim Rollator für die Wohnung ist auch hier das Gewicht möglichst gering zu halten. Diese Gehhilfe wird ja viel verstaut, sei es im Kofferraum eines Autos oder in Bus und Bahn. Auch wenn Sie ihn im Flugzeug mitnehmen möchten, ist jedes Gramm zuviel.

Deshalb haben diese Gehhilfen auch nicht viel Zubehör angebaut. Es gibt zwar Extras, die transportiert man dann aber besser separat. Ein weiterer Pluspunkt ist, daß diese Rollatoren faltbar sind. Neuerdings sogar doppelt faltbar: Da können Sie Ihren Rollator zusammenklappen und brauchen danach nicht mehr viel mehr Platz als für eine Einkaufstasche.

Ein Rollator auf Rezept

Eine richtig gute moderne Gehhilfe ist nicht eben billig. Da kann man auf die Frage kommen: Gibt es von der Krankenkasse einen Zuschuß dafür? Ja, klar das gibt es. Allerdings ist das bei den ganzen Kassen unterschiedlich geregelt, aber grundsätzlich ist es erst einmal möglich, daß Sie eine Zuzahlung von der Krankenkasse erhalten.

Dazu ist es erst einmal notwendig, daß Sie von Ihrem zuständigen Arzt ein Rezept erhalten. Denn die Gehhilfe ist wie eine Tablette ein Hilfsmittel und soll Ihnen helfen, Ihre Probleme zu lindern. Sie müssen nun darauf achten, daß auf dem Rezept auch die speziellen Anforderungen stehen, die Sie bei Ihrem Rollator brauchen. Zum Beispiel zur Belastungsgrenze, wenn Sie eventuell übergewichtig sind, welche Größe der Rollator haben sollte (die meisten sind nur bis ca. 1,90 stressfrei zu bewegen), welche Ausstattung Sie unbedingt brauchen und die Begründung, warum das so ist. Damit machen Sie es Ihrer Kasse einfacher, zu entscheiden, welches Modell Ihren Anspüchen entspricht. Wenn nur „Rollator“ auf dem Rezept steht, werden Sie wohl das billigste Krankenkassenmodell oder sogar ein altes Leihgerät bekommen, der aber überhaupt nicht zu ihren Bedürfnissen paßt.

Danach werden Sie mit Ihrer Krankenkasse verhandeln müssen, denn eine gesetzliche Vorgabe, wieviel sie zuzahlen muß, gibt es nicht. Es kann Ihnen dann sogar passieren, daß die Kasse  wirklich nur eine „Zuzahlung“ leistet, und nicht die gesamten Kosten übernimmt. Dann bleibt Ihnen nur die Möglichkeit, die Restsumme aus eigener Tasche zu bezahlen, um an den für Sie optimalen Rollator zu gelangen.

Einen Rollator kaufen – wo?

Natürlich können Sie sich auch privat jeden erdenklichen Rollator kaufen, ohne daß Sie sich deshalb ein Rezept besorgen müssen. Sanitätshäuser haben in der Regel ein großes Angebot, wo Sie Ihre Gehhilfe auch gleich noch testen können. Aber auch in den Internet Shops werden Sie schnell fündig werden, und das sogar zu wesentlich niedrigeren Preisen. Dafür müssen Sie hier auf eine Beratung verzichten, und ein Fehlkauf ist schnell getätigt.

Manchmal gibt es auch Sonderangebote bei den großen Discountern, die zudem noch sehr preisgünstig sind. Das kann gut sein, wenn es Ausläufermodelle von bekannten Herstellern sind, aber auch weniger gut, wenn diese Gehhilfen irgend wo in der dritten Welt aus untauglichem Material schnell zusammengeschustert werden. Hier sollten Sie nur kaufen, wenn Sie sich mit Rollatoren schon etwas auskennen und das Modell objektiv auf seine Gebrauchseigenschaften einschätzen können.